Montag, 5. November 2007

The End

Mein letzter Tag in Hyderabad! Wir sind geschafft am Samstag aus Goa zurückgekehrt. Der Rückflug war genau so gefühlsecht wie der Hinflug, nur der Flieger war wesentlich voller, beim Hinflug waren wir gerade mal 20 Passagiere. Angekommen in Hyderabad versuchten wir gleich am Flughafen eine Rikscha zu bekommen, immerhin waren wir seit 10 Uhr mit Bussen und Flieger unterwegs und gelandet waren wir um 16.30 Uhr und wir waren schon ein wenig geschlaucht. Aber diese Rikscha-Fahrer mussten immer noch streiken bzw. wollten uns ohne Taxameter zu völlig überhöhtem Preis nach Musheerabad zu Lenas Wohnung fahren. Sie streikten jetzt schon für höhere Gebühren seit dem Tag unseres Abfluges nach Goa. Wie halten die das finanziell durch? Nach einem kleinen Marsch etwas abseits vom Flughafen ergatterten wir dann einen Fahrer, der uns schon ein wesentlich günstigeres Angebot machte als die, die direkt vorm Flughafen standen. Zu Hause angekommen, kamen die nächsten Überraschungen: Es hatte während unserer Abwesenheit wohl aus Kübeln geschüttet und die Wohnung war etwas überschwemmt und Christian betätigte sich als Kammerjäger, er hatte mit Hilfe der von Stefan mir mitgegebenen Köderdosen die Ameisen fast erfolgreich aus der Küche vertrieben.
Und abends leisteten Lena und ich uns ein Grilled Chicken aus unserem indischen Lieblingsrestaurant. Dort, weil sehr voll, saßen wir mit drei jungen Indern am Tisch, von denen der eine mit uns in eine Unterhaltung einstieg. Er erzählte uns, dass sein Tischnachbar nächste Woche nach Deutschland fliegen werde, um dort - wenn ich es richtig verstanden habe - Landwirtschaft zu lernen, er könne aber kein Englisch und kein Deutsch und wisse auch überhaupt nicht, in welche Stadt er käme... Alles sehr suspekt. Nachdem wir dann mit entschuldigenden Blicken und Verständnis heischend unser sehr,sehr scharfes Grillhähnchen mit beiden Händen gefuttert hatten, verabschiedeten wir uns und gingen nach Hause und ich - plumps - ins Bett.
Es war ein schönes Gefühl, wieder in Lenas vertrauter Bettwäsche zu schlafen, ohne Kopfläuse, Ameisen, Fledermäuse....
Am Sonntag statteten wir unserem Optiker wieder einen Besuch ab. Ich weiß nicht, was ich in Deutschland ohne diesen Laden machen werde :-) Wir hatten einiges dort abzuholen: Lena ihre neue schicke Brille sowie ihre 3-Monatspackung Kontaktlinsen, für Ilona die 12-Monatspackung Linsen und meine 3-Monatspackung. Es gab nur eine Notbesetzung im Geschäft, die Angestellten mit Durchblick hatten wohl frei und der arme unfähige Inder hatte ganz schön zu kämpfen mit den ganzen Käufen und Abrechnungen und Anzahlungen, die wir bereits gemacht hatten. Dafür darf Lena dann auch noch mal wiederkommen, es war niemand da, der die Bügel ihrer neuen Brille hätte anpassen können.
Danach ging es dann zur dritten und letzten Sehenswürdigkeit, die Hyderabad zu bieten hat: Der hinduistische Birla-Tempel http://en.wikipedia.org/wiki/Birla_Mandir_(Hyderabad,_Andhra_Pradesh) . Hoch oben über der Stadt mit 100.000 Stufen in brüllend heißer Hitze lag das Ziel. Nur leider wurden just vor unserer Nase um 12.30 Uhr die Tore geschlossen, auch die Götter brauchen ihre eineinhalbstündige Mittagspause. So vertrieben wir uns mit Flanieren durch die Gassen und einer kleinen Erfrischung an einem Kiosk die Zeit bis 14.00 Uhr. Unter anderem setzten wir uns an einen kleinen Imbiss, wo Lena ein 6 Monate altes Baby auf den Schoss gesetzt bekam, mitten auf die Handtasche mit den neuen Kontaktlinsen, was insofern beängstigend war, als viele Babies hier keine Windeln tragen, und der strahlende Vater rief: Foto! Foto! Na, zum Glück trug dieses Kind Windeln und die stolzen Eltern wollten das Kind auch wieder zurück haben.
Dann war es endlich soweit: die Tempeltore öffneten sich und sogleich begann das Drängeln der vielen wartenden Inder, die allesamt eine Kokusnuss und Blümchen als Gabe für die Götter in einer Plastiktüte bei sich trugen, das Ende der drängelnden Massen bildete dann noch die - wie mir schien - komplette indische Armee, die ebenso wie wir, alle ihre völlig identischen Army-Schuhe ausziehen mussten. Wie da wohl jeder sein eigenes Paar wiedergefunden hat? Sodann ließ man uns nach der obligatorischen Taschenkontrolle ein in das Heiligtum und der Aufstieg begann, immer wieder vorbei an kleinen Tempelaltären mit mir unbekannten Göttern. Ich habe mich nicht mal bemüht, die vielen Götter kennenzulernen, dafür wäre wohl der Urlaub zu kurz. Vielleicht schau ich mir das zu Hause mal an. Als wir an der höchsten Stelle ankamen, wo sich der imposanteste Altar befand, vor dem ein Mönch saß und irgendeine Flüssigkeit den Leuten in die Hand schüttete, die zum Trinken gedacht war (Lena hat da mitgemacht, ich nicht), ging es auch schon wieder bergab, barfuss über den kochend heißen Asphalt bzw. Marmor (Ich bin zur Belustigung der Inder schreiend sogar durch die Absperrungen gerannt hin zu meinen Schuhen). Den immer barfüßigen Indern hat das heiße Pflaster überhaupt nichts ausgemacht. Dann gab es im City Center zur Belohnung für den langen Tag noch eine Tasse richtig leckeren Cappuchinos mit einem fetten dicken Stückchen Schokotorte, Lena schnüffelte ein wenig in dem angrenzenden Buchladen herum und kaufte sich englischsprachige Kinderkrimis, während ich die Reinheit der Toilettenanlage in diesem Einkaufszentrum genoß. Dann ging es per Rikscha nach Hause und die beiden besten männlichen Drei von der indischen Tankstelle gingen los und kauften Grilled Chicken und wir ließen den Tag an dem in diesem Moment mahlzeitverarbeitenden Tisch ausklingen. Anschließend durchsuchte Lena ihr Zimmer nach Kleidung, Schuhen, Büchern etc., was sie mir schon mal mit auf den Heimweg geben wollte. Und all diese Sachen mit meinen Einkäufen habe ich dann im Laufe des heutigen Vormittags irgendwie in meinen Koffer gequetscht, denn heute nacht um 2.15 Uhr, nicht ohne vorher nochmal mit allen indisches Curry zu essen, geht mein Flieger zurück nach Germanistan - ich freu mich ein wenig auf die Kälte und dicke Pullis und den Holzofen und natürlich auf "mein Micha", der am Dienstag abend aus Regensburg zurückkehrt...
Liebe Leser/-innen, an alle, die mein Geschreibsel gelesen haben, meinen Dank für das Interesse. Wenn ich gut schreiben könnte, wäre ich Schriftstellerin geworden, aber ich hoffe, es war auch so ein bisschen interessant, ich habe mir jedenfalls alle Mühe gegeben. Tschüssi, vielleicht bis zur nächsten Reise, wer weiß, wohin es Lena und ihren Michael verschlägt nach dem Studium, vielleicht komme ich noch viel rum in der Welt?

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wie? Das wars jetzt schon? Noch bist du doch noch in Indien.

Naja.. dann noch ein paar Anmerkungen: Ich hab auch einen Jahresvorrat Kontaktlinsen gekauft. Und unser Optiker plant Filialen in Deutschland. Kannst du dich schon drauf freuen ;-)

Unknown hat gesagt…

Guten Flug :)