Sonntag, 28. Oktober 2007

Mittagessen bei Shree


Heute ist endlich der große Tag: wir folgen Shree's Einladung zum Mittagessen in ihrer Wohnung für 13 Uhr. Endlich einmal sehen, wie eine waschechte Inderin lebt und eingerichtet ist und dazu noch indische Hausmannskost! Nach anfänglichen Schwierigkeiten, ihr Heim zu finden und einem Anruf bei ihr, sahen wir Shree, die uns schon auf der Straße erwartete und nach uns Ausschau hielt. Sie führte uns in ihr kleines Appartement, welches sie mit ihrer Freundin bewohnt. Während wir auf einer bezogenen Matratze Platz nahmen, begann Shree, auf dem Marmorboden, der zu diesem Zweck erst einmal gereinigt wurde, den Tisch zu decken. Es wurden immer mehr kleine Schüsseln und Töpfchen mit leckeren Curries und anderen Köstlichkeiten aus der Küche herangeschafft und dann nahmen wir - eigentlich üblich im Schneidersitz, das tat aber auf dem harten Boden so weh - irgendwie Platz, jeder von uns sortierte ein wenig seine Beine herum und dann begannen wir zu essen: der Teller bleibt auf dem Boden stehen und man isst Saucen und Reis mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand, damit die linke Hand sauber bleibt für das Getränk. Ich habe auf diese Art zum ersten Mal gegessen und hatte das Gefühl, Nase, Mund, Ohren, Wangen seien hoffnungslos vollgeschmiert. Auch meine rechte Hand sah aus, als hätte ich sie komplett im Essen versenkt, vor allem waren die Fingernägel hinterher geld gefärbt vom Curry. Shree fand das lustig, mir hats auch Spaß gemacht. Für die anderen war's ja schon fast Routine! Wir haben uns nach dem Essen noch ein wenig unterhalten und dann nach ca. 3 Stunden verabschiedet, wobei Shree es sich nicht nehmen ließ, uns vorher noch ihre Familienfotos zu zeigen und uns persönlich zur Rikscha zu begleiten. Es war ein sehr schöner Mittag, sie bestätigte mir noch mal das Bild, welches ich von den Indern habe: Immer lächelnd, gut gelaunt, freundlich, einfach liebe Menschen. (Natürlich schließe ich dabei die böse Frau und den bösen Mann aus, die mich beschimpften, weil meine Hose nicht bis über die Knöchel ging, was ich aber laut Shree ignorieren soll. Auch auf Matthias wurde wegen meiner zu kurzen Hose eingeredet.)
Lena und ich fuhren in einer Rikscha sodann in einen anderen Stadtteil, in dem wir Betttücher und Karomsteine für das "Billiard für Arme" kaufen wollten. Angekommen beschlossen wir, erst einmal den Zuckerrohrsaft eines Straßenverkäufers zu testen. Es war nämlich ausnahmsweise ein Verkäufer, der seine Zuckerröhren nicht auf dem Boden liegen hatte. Wir erhielten jeweils einen Becher dieses Getränks, jedoch hatte Lena bald zwei Becher, mir war das Gebräu trotz der Limetten zu süß und milchig.
Der Kauf der Karomsteine erwies sich als problemlos, sie werden hier in Sportgeschäften verkauft. Der Kauf von Betttüchern gelang uns auch, nachdem wir von einem freundlichen indischen Ehepaar den Höchstpreis, den wir für diese Tücher zahlen dürften, genannt bekamen und der circa die Hälfte des Preises ausmachte, den die Händler uns eigentlich gerne abgeknöpft hätten. Ich erwarb sogar einen Saristoff, der mir sehr gut gefiel und für den ich zu Hause sicher Verwendung in Form von Kissenbezügen etc. finden werde. Bevor wir den Heimweg antraten mussten wir noch mitansehen, wie die Traffic Police mit einem LKW durch die Straßen fuhr und die Straßenhändler, die ihre Stände oft auf der Fahrbahn stehen haben, weil auf den Bürgersteigen kein Platz ist, eben von dort vertrieben. Sie gossen den kompletten Inhalt einer Kanne mit Limettensaft (?) auf die Straße und nahmen das Gefäß gleich mit, trotz der Bitten des Händlers, ihm wenigstens das Gefäß wieder zurückzugeben. Andere Händler flüchteten gleich beim Anblick des sich nähernden Police-LKWs und verloren dabei Teile ihrer Waren, die auf die Straße fielen und zerbrachen. Die Leute sind alle sehr arm und das tat mir schon ziemlich leid.
Wieder zu Hause angekommen, übte sich Christian unter Lenas Internetanleitung im Anlegen eines Saris. Er erwies sich als sehr talentiert, ich verweise insofern auf die Fotos, diese Ausstrahlung und diese Grazie lassen sich an dieser Stelle einfach nicht in Worte fassen. Dann warteten die indischen Drei von der Tankstelle auf Steffie, die plant, in die Nachbarwohnung zu Matthias zu ziehen. Wie wird es dann weitergehen, werden aus den indischen Drei die indischen Vier von der Tankstelle werden, geht das überhaupt? Auf jeden Fall musste ich an diesem Abend hungrig ins Bett gehen, niemand war trotz mehrfacher Aufforderung bereit, mir ein Grilled Chicken zu kaufen, die hier so, so, so lecker sind.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

So ein Sari ist schon unheimlich kleidsam! Und wie siehst Du und Lena in sowas aus?