Nach einem erholsamen festen Schlaf, bei dem ich nicht den angekündigten, frühmorgendlichen Moschee-Schreier und auch nicht die Lunge-aus-dem-Hals-Husterei bzw. Schlimmeres eines Nachbarn hörte gab es erst einmal ein Frühstück ohne Ei (Leute, die mich kennen, wissen, was das bedeutet, aber es wurde dann doch noch ein schöner Tag :-). Während Matthias noch einmal den Kampf mit dem Internet-Mann aufnahm (der sagt nämlich telefonisch immer zu, er käme in 5 Min.), machten Lena und ich uns per Rikscha auf den Weg in die Stadt. Wer Achterbahnfahren liebt, ist in einer Rikscha mit so nem Mofamotor genau richtig. Jedenfalls ist der Fahrtwind recht angenehm und wenn man einen "umsichtigen" Fahrer hat, kann das eigentlich auch ganz schön sein. Zudem kommt ja auch noch der etwas ungewohnte Linksverkehr hinzu. So, wir fuhren also in die Stadt, genau genommen zum indischen OPTIKER, um uns Kontaktlinsen fertigen zu lassen. Zum Glück ist ja Lena schon längere Zeit hier, ich hätte das Englisch des Optikers nicht verstanden. Ich brauche auch immer eine gewisse Zeit, um wieder ein wenig flüssig reden zu können, aber das war ja am Samstag mein 1. Tag in der indischen Öffentlichkeit, obwohl ich beim Sehtest dann doch etwas beleidigt war, als der Optiker Lena fragte, ob sie ihm meine Buchstaben, die ich ja von der Tafel ablesen musste, übersetze. Also, das hab ich dann wohl noch alleine hingekriegt. Nun hat Lena schon ihre Testlinsen, ich bekomme meine erst am "Wätnessdäj", die mussten bestellt werden, weil sie für nah und fern sind und außerdem ich zwei verschiedene Sehstärken habe und dann werden wir die Welt mit ganz anderen Augen sehen. Danach hatten wir noch etwas Zeit zum Bummeln, wir sind ja erst sehr spät losgefahren und der Besuch beim Optiker war sehr ausgiebig. Wir fuhren in ein Einkaufszentrum, ließen unsere Taschen kontrollieren, damit wir uns nicht später als Terroristen entpuppen, und kauften uns zuerst einmal einen Becher gekochten Mais, mit Salz und Käse verrührt schmeckt das ganz köstlich. Und dann schnüffelten wir ein wenig im Kaufhaus herum. Und in dem Umfang, wie es bei uns in einem Kaufhaus Damen-Sachen gibt, steht hier die Männerwelt im Vordergrund. Wenn man sich vorstellt, wie gerne mein Michael zum Beispiel neue Kleidung kauft, müssten die Geschäftsleute hier eigentlich elendig verhungern....
Dann tranken wir noch einen richtigen Cappucchino (!) mit Muffin und Donuts und machten uns sodann per Rikscha wieder auf den Heimweg bzw. kehrten noch bei Spencer's ein,wo wir Salatzutaten für das Frikadellen- und Steak-Abendessen besorgten und in einem separaten Lädchen im Supermarkt in die Männerdomäne "Alkohol kaufen" eindrangen. Eine Flasche Bier wollten sie Lena ja noch verkaufen, aber gleich vier? Von dem Erwerb eines Fläschchen Weins nach einem Blick auf die Preisschilder habe ich Abstand genommen, zwischen 12 und 16 Euro dafür zu zahlen, war mir dann doch zu viel. Mit unseren Einkäufen zu Hause ankommend strahlten uns Matthias und Christian entgegen, der Internetmann hatte seine Aufgabe erfüllt und Matthias steht uns für Gespräche, Mahlzeiten etc. ab sofort nicht mehr zur Verfügung :-) (neidische Anm.d.Verf.).
Es ist eine ganz andere Art, Urlaub zu machen. Lena und die "Jungs" sind ja schon eine Weile hier, man kennt sich aus, es ist vieles selbstverständlich, wozu man im Urlaub erst einmal ein paar Tage benötigt, um sich zu orientieren. Die drei kennen die Rikschapreise und man kann sie nicht übers Ohr hauen, man hat schon am eigenen Leib erfahren, an welchem Stand man sich einen Snack kaufen kann, der einem bekommt und was uns überhaupt schmeckt, und wo die Märkte sind, welche Dinge man wo am besten bekommt oder in welchem Restaurant man gut isst. Und ich kam Freitag abend an und bin gleich mitten drin im Alltag.
Jedenfalls war mein erster Tag in Hyderabad ein schöner Tag! Und auch in dieser Nacht werden mich der Motorradlärm, hupende Rikschas und Autos, hustende oder Choräle singende Menschen, bellende Hunde da draußen vor unserem Haus nicht tangieren und ich werde in den späten Morgenstunden meines zweiten Tages ausgeruht und neugierig auf den neuen Tag erwachen ....
Montag, 22. Oktober 2007
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