Montag, 22. Oktober 2007

2. Erwachen - ein böses Erwachen

Ha, so kann man sich irren: ich wachte zwar spät auf, dafür aber mit heftiger Übelkeit und dem, was der Indientourist so fürchtet ... und begann meinen 2. Tag in der europäischen Nasszelle dieser Wohnung. Nach einem kargen und magenfreundlichen Frühstück entschieden sich "die Drei" für einen Ausflug zum Golconda-Fort - eine riesengroße "Burg"-Anlage aus dem 16. Jahrhundert. Es war wolkenlos und heiß, wir standen auf staubiger Straße und warteten auf den hoffnungslos überfüllten Bus, der dann auch irgendwann kam und um uns Vier noch überfüllter wurde. Fast zerquetscht von Menschen hieß es dann irgendwann "Aussteigen" und auf ging es zum nächsten Bus. Nachdem wir darin auch einige Zeit gequetscht und schwitzend verbrachten, hieß es wieder "Aussteigen". An diese beiden Busfahrten hängten wir noch eine Rikschafahrt, die uns bis vor den Eingang der Fortanlage brachte. Gleich wurden wir von Postkartenverkäufern überfallen, die uns immer 19 Stück anboten - eine Glückszahl oder eineinhalb Dutzend plus eine umsonst? Kaum waren wir diese los, hatten wir einen potentiellen Guide am Hals, der uns durch bestimmende Ansagen klar machen wollte, in welcher Art und Weise wir unseren Eintritt zu zahlen hätten, nämlich Lena für alle 4, und dann hätten wir sofort an einen von ihm gezeigten Platz zu kommen, und dann wären wir sicher viel Geld losgeworden. Hellhäutig wie wir alle nun mal sind, hatten wir ohnehin jeweils 100 Rupies zu zahlen, ich glaube, die Eintrittspreise für Einheimische betragen nicht mal ein Zehntel davon. Nun gut, wir zahlten alle unseren Touristenpreis, entledigten uns aller Personen, die uns etwas Gutes tun wollten und machten uns auf den Weg erst einmal durch die Parkanlage dieses Forts, das wie eine riesige Burganlage ausschaut. Hoch oben sah ich das Ziel, welches mir zu hoch erschien, als dass ich es unbedingt bei dieser Hitze anstrebte. Lena, die ich auf meine Seite zog, und ich ermunterten Matthias und Christian zum Aufstieg, während wir beide uns auf einem Mäuerchen sitzend an einem indischen halbgeschmolzenen Cornetto-Eis labten. Unter freundlichen Blicken begannen Lena und ich sodann auch den Aufstieg, machten öfters mal eine Rast und die Inder nutzten gleich die Gelegenheit, ein Foto von ihrem Freund etc. so zu machen, dass wir zufälligerweise auch drauf sein mussten. Man kann sie damit ärgern, indem man immer ein Stückchen weiter weg geht. Einige sprachen uns auch direkt an, postierten ihre Frauen und Kinder um uns, fragten noch kurz, woher wir kämen, damit sie auch Auskunft geben können, woher ihre Freunde, die da im Wohnzimmer hängen, kommen, man tauscht Lächeln aus und dann ging es weiter bis hoch oben rauf, wo sich ein Hindu-Tempel befand. (Ein paar Bildchen kommen auch noch, muss erst noch mit Lena eine Galerie erstellen.) Mit zitternden Knien nach dem Abstieg erreichten wir Matthias und Christian wieder auf einer Wiese, wo gerade ein paar indische Boys ein Fotoshooting veranstalteten. Dann bat uns noch ein junger Inder um eine Euro-Münze und strahlte über ein 10-Cent-Stück, welches ich noch in der Tasche hatte, wofür er sich herzlich bei Christian und Matthias bedankte, obwohl es ja von mir war. Das ist auch so ein wunder Punkt bei Lena, dass Christian im Restaurant gefragt wird, was Lena möchte ...

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